Schön blöd, Mann

Sexy und männlich rüberkommen wie die Heteros, das ist eine unserer größten und gefährlichsten Sehnsüchte. Bislang scheiterten viele dieser "Copy & Paste"-Versuche. Statt zum Supermann machten Schwule sich zum Oberaffen. Das Ding mit der Männlichkeit hat einfach zu viele Tücken.

Klamotten im Heterolook, proletenhaftes Auftreten, ambitionierter Muskelaufbau - Schwule haben schon fast alles ausprobiert, um richtig schön männlich zu wirken. Bisher ohne den großen Wahnsinnserfolg: Wenn wir unsere Hetero-Kollegen nämlich nur nachaffen, kommt das meist wie eine mühsame Männertravestie rüber. Zwar inszenieren wir uns dabei inzwischen so perfekt und hypermännlich, dass wir unsere "Vorlagen" locker um Längen schlagen. Doch aus einer gutgemeinten Kopie wird schnell eine putzige Parodie, was dann wiederum auf Kosten der eigenen Sexiness geht. Insofern ist der alte Leithammel der Homokultur, jenes Monster mit Muskelbergen, Bart und Glatze, das in der Lederhose auf dem Bike durch die Gegend karrt, symbolisch einfach das Schwulste, was man sich vorstellen kann. Kaum ein Hetero würde doch derart übertrieben martialisch durch die Weltgeschichte fegen.

 

Einfach tun, nicht fackeln

Nehmen wir als Beispiel mal die Marke Holzhackermann, den energetischen Vollproll: Abends plumpst er kosmetisch genauso unbehandelt ins Bett wie er morgens aufgestanden ist. Ohne lästiges Peeling, leidiges Puder und lecker duftendes Parfum im Gesicht. Als gefühlter Alphamann braucht er sich aufwendig zu duschölen und einzucremen - eine Kanne kaltes Wasser übern Schädel reicht auch. Sich einmal von oben bis unten mit dem Gartenschlauch abspritzen, wenn man eh grad das Auto wäscht. Welchem er ohnehin mehr Aufmerksamkeit widmet - als sich selbst. Einfach tun, nicht fackeln.

 

Solch eine naturbelassene, robuste Männlichkeit kann man nicht abpausen. Die hat man oder eben nicht. Weshalb viele schwule Rolemodels wie die Clones, Muscle Marys, Lederbiker, Punks und Skins Gefahr laufen, sich komplett lächerlich zu machen, weil sie als Karrikaturen irgendwelcher Ur-Menschen enden.

 

Neue Helden gesucht

Brauchen wir also neue Helden, die noch nicht verschwult worden sind? Würde es die arg strapazierte Hete überhaupt noch einmal bringen, um als Vorbild fürs Mannthema zu dienen? Sollten wir in den eigenen Reihen mal rausfiltern, was und wen wir besonders männlich und damit womöglich auch an- und ausziehend finden? Oder wäre es nicht an der Zeit, mit dem leidigen Thema der Machomaskulinität im Sinne des Postpatriarchats mal gründlich aufzuräumen?

 

Auszug aus: Mein schwules Auge 5, Schön blöd, Mann, Sirko Salka

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