Liebe, Sex und andere Sorgen

Schmerzlich willkommen!

Was können Sie mit Sadomasochismus, kurz SM, anfangen? Nicht so viel? Dann geht es Ihnen wie mir. Dabei bin ich schon als Studen damit in Berührung gekommen. 15 Jahre bevor der Roman "Shades of Grey" weltweit für Furore sorgte. Das Buch haben sie doch bestimmt gelesen – oder in seiner verwässerten Adaption im Kino gesehen. Vielleicht macht es bei Ihnen auch Klick, wenn Sie an David Lynchs Film "Blue Velvet", an Roman Polanskis "Venus im Pelz" oder an Pier Paolo Pasolinis Literaturverfilmung von Marquis de Sades "Die 120 Tage von Sodom" denken. Um die Lust am Leiden geht es da, um Befriedigung durch Haue, das Verlangen nach Unterwerfung. Bei der harten Gangart sind die Machtverhältnisse klar geregelt: Der eine übernimmt die Kontrolle und Verantwortung, während der andere sie abgibt. Ich jedenfalls hatte von alledem keinen Schimmer, als mir eine Kommilitonin zeigte, wo in unserer Siedlung der Schmerz wohnte. In ihrer Bude sah es aus wie in einer Folterkammer. Andreaskreuz, Käfig, dunkles Leder: Um sich das Studium zu finanzieren, arbeitete sie als Domina – einer Art moderner Kerkermeisterin. Kunden zahlten viel Geld, um von der jungen Frau beherrscht zu werden. Fesselspiele und Peitschenhiebe? Das fand ich ebenso absurd wie faszinierend, so dass ich sie für die Zeitung interviewte. Zwei Sätze sind mir dabei im Bewusstsein geblieben: Normal ist vom Blümchensex bis zur Perversion alles, was den Machern Lust bereitet – solange kein Dritter Schaden nimmt. Pervers ist allenfalls, was Unbeteiligte davon halten. Deshalb: Genießen Sie Ihre Vorlieben in vollen Zügen!

Quelle: Kerngesund – das Nordkurier-Magazin für Gesundheit und Wohlbefinden, Juli 2016

Mehr Infos/Abo unter:

magazine.nordkurier.de

Kommentar schreiben

Kommentare: 0